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Nucleus pulposus

Nucleus pulposus: Der innere Kern

Die Wirbelsäule des menschlichen Körpers bildet eine Art Achse oder auch knöcherne Mitte, welche die unterschiedlichen Teile des Skeletts miteinander verbindet, wie beispielsweise Arme, Beine oder das Becken. Dabei besteht sie aus 33 Wirbelkörpern, zahlreichen Bändern und 23 Bandscheiben. Nur dieses perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel aller Wirbelsäulenbestandteile ermöglicht reibungslos tägliche Bewegungen wie laufen, drehen, tragen oder bücken. Dabei kommt den Bandscheiben eine besondere Rolle zu: Sie verbinden die Wirbel und stellen die biegsamen Elemente unseres Rückens dar. Ohne sie würde unsere Wirbelsäule einem Besenstiel gleichen. Wie ein Kissen liegen die dünnen Scheiben zwischen den Wirbeln und dienen als Abstandshalter und Stoßdämpfer, wann immer sich die Wirbelsäule biegt, dehnt oder zusammenstaucht.

Aufbau und Funktion des Nucleus pulposus

Die Verbindungen zwischen den Wirbelkörpern bestehen aus einem faserigen äußeren Ring, dem Anulus fibrosus, sowie dem Nucleus pulposus, dem gallertartigen inneren Kern. Der Nucleus pulposus ist ein zellarmes und gallertartiges Gewebe mit einem hohen Wassergehalt, so fängt er Stöße auf und kann Bewegungen abfedern oder ermöglichen. Dabei werden die Bandscheiben nicht wie andere Körperteile über die Blutgefäße versorgt, sondern durch Diffusion. Bei der Diffusion handelt es sich um einen Mechanismus, der bei Belastungsdruck für den nötigen Flüssigkeitsaustausch sorgt, über den Proteine, Enzyme oder Mineralien in die Bandscheibenzellen gelangen und so auch den Nucleus pulposus versorgen. Gleichzeitig werden Abfallstoffe ausgeschieden. Im Laufe des Tages verlieren die Bandscheiben durch alltägliche Belastungen Flüssigkeit, während sie sich in der Nacht wieder regenerieren. Bewegen sich Menschen nicht ausreichend, wird dieser Prozess gestört und es kann zu Problemen mit den Bandscheiben kommen. Im Alter nimmt die Flüssigkeit der Bandscheiben beziehungsweise des Nucleus pulposus ab, weshalb es häufiger zu Verschleißerscheinungen und Beschwerden kommt. Aber auch immer mehr jüngere Menschen leiden durch einseitige Belastung der Wirbelsäule und Bewegungsmangel unter beginnenden Verschleißerscheinungen.

Problematik und Therapie

Eine Vielzahl an Rückenbeschwerden geht auf die Bandscheiben zurück. Hier sind dann fast immer Fehlhaltungen oder fehlerhafte Belastungen mitverantwortlich. Aber auch regelmäßiges schweres Heben, häufiges Sitzen beispielsweise bei einer Bürotätigkeit oder einseitige Belastungen gehen zulasten der Bandscheiben, insbesondere dem Anulus fibrosus und dem Nucleus pulposus, und machen sie anfällig für verschiedene schmerzhafte Erkrankungen. Eines der bekanntesten Beschwerdebilder ist hier der Bandscheibenvorfall. Durch übermäßige und anhaltende Belastung wird die Vorderseite der Bandscheibe zusammengedrückt, der Nucleus pulposus nach hinten gepresst und gegen den Faserring gedrückt. Es entstehen Risse im Faserring und Teile des Nucleus pulposus treten nach außen. Häufig dringt der gallertartige Nucleus pulposus dabei in den Wirbelkanal ein und drückt gegen Nerven, was zu erheblichen Schmerzen führt. Patienten sollten hier einen Orthopäden aufsuchen und bei eventueller Unsicherheit in jedem Fall eine Zweitmeinung einholen. Speziell in der modernen Wirbelsäulenchirurgie gibt es heutzutage sanfte und minimalinvasive Therapien wie die Wirbelsäulenkathetertechnik, Mikrolaser- oder Hitzesondentherapie, die allesamt sehr gute Ergebnisse erzielen. An erster Stelle der ärztlichen Behandlung steht jedoch die genaue Diagnose der Schmerzursache, erst dann entscheidet der Arzt über weiterführende Maßnahmen. Oftmals verhelfen bereits konservative Methoden wie Physiotherapie zu einer Schmerzlinderung. Nur wenn Lähmungen in Beinen oder an Blase und Darm auftreten, sollte sofort operiert werden. Kommen minimalinvasive Wirbelsäuleneingriffe nicht infrage, versprechen neue neurochirurgische Methoden Erfolg: Mikrotherapeutische Bandscheibenvorfallentfernung zählt zu den entscheidenden Fortschritten der modernen Wirbelsäulenchirurgie.