Bandscheibenvorfall HWS (Halswirbelsäule)

Ein Bandscheibenvorfall kann in jedem Abschnitt der Wirbelsäule auftreten. In rund 90 % der Fälle ist die Lendenwirbelsäule (LWS) betroffen, deutlich seltener die Brustwirbelsäule (BWS) und etwa 8 % betreffen die Halswirbelsäule (HWS). Ein Bandscheibenvorfall der HWS ist also zwar weniger häufig, kann aber aufgrund der Nähe zu Rückenmark und Nerven besonders belastende Beschwerden verursachen – von Nackenschmerzen bis hin zu ausstrahlenden Schmerzen und Lähmungserscheinungen in den Armen.

Die Bandscheiben liegen wie kleine Puffer zwischen den Wirbelkörpern und ermöglichen Beweglichkeit der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem weichen, wasserhaltigen Gallertkern (Nucleus pulposus) und einem straffen Faserring aus Faserknorpel (Anulus fibrosus). Als „Stoßdämpfer“ fangen sie Stöße und Erschütterungen ab und verteilen die Belastung gleichmäßig.

Als Orthopäde München mit langjähriger Erfahrung in der Wirbelsäulenmedizin hat sich das MVZ Dr. Schneiderhan auf die Diagnostik und Behandlung vom Bandscheibenvorfall HWS spezialisiert – von der ersten Abklärung bis hin zu konservativen und minimal-invasiven Therapieverfahren.

Inhalte Bandscheibenvorfall HWS:

Aufbau der HWS

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln (C1-C7) zwischen Kopf und Brustwirbelsäule. Sie weist eine natürliche Krümmung nach vorne (Lordose) auf. Die Wirbelkörper werden von oben nach unten größer und tragen den Kopf. Die HWS ermöglicht:

  • Beugen und Strecken des Kopfes
  • Neigung nach vorne, hinten und zur Seite
  • Drehbewegungen nach links und rechts

Die beiden obersten Halswirbel haben eine besondere Form:

  • Atlas (C1): erster Halswirbel, ringförmig, ohne eigenen Wirbelkörper und ohne Dornfortsatz.
  • Axis (C2): zweiter Halswirbel, mit charakteristischem Knochenfortsatz (Dens), der in den Atlas hineinragt und die Kopfdrehung ermöglicht.

Die weiteren fünf Halswirbel besitzen einen Wirbelkörper, Wirbelbogen, Dornfortsatz, Querfortsätze und Gelenkfortsätze. Die oberen Gelenkfortsätze eines Wirbels verbinden sich mit den unteren des darüberliegenden Wirbels zu sogenannten Facettengelenken. Diese sorgen für Stabilität und Beweglichkeit der Halswirbelsäule.

Zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen liegt das Wirbelloch. Alle Wirbellöcher bilden zusammen den Wirbelkanal (Spinalkanal), in dem das Rückenmark verläuft. Zwischen den Wirbeln treten paarig angeordnete Spinalnervenwurzeln aus. Sie leiten Berührungs- und Schmerzreize zum Rückenmark und zum Gehirn und steuern unter anderem die Nacken-, Schulter- und Armmuskulatur.

Die Halswirbelsäule besitzt fünf Bandscheiben – zwischen C2 und C7. Zwischen Kopf und Atlas sowie zwischen Atlas und Axis liegen keine Bandscheiben.

Jede Bandscheibe:

  • besteht aus einem weichen, wasserhaltigen Gallertkern (ca. 80 % Wasser)
  • ist von einem festen Faserring umschlossen
  • wirkt als Stoßdämpfer, verteilt Druck und ermöglicht Bewegung

Unter Druck wird der Gallertkern flacher und versucht, sich zu allen Seiten auszubreiten. Der Faserring wirkt dabei wie ein straffer Gürtel und verteilt die Belastung gleichmäßig. Genau an diesem Aufbau setzt der Bandscheibenvorfall HWS an.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule?

Dame-mit-Bandscheibenvorfall-HWS-Schmerzen

Nackenschmerzen können ein Indikator sein

Bei einem Bandscheibenvorfall der HWS (zervikaler Bandscheibenvorfall) kommt es zu einem Einriss im Faserring einer Bandscheibe im Halsbereich. Anteile des weichen Gallertkerns treten nach außen (Prolaps) und können in den Wirbelkanal (Spinalkanal) gelangen.

Dort kann das ausgetretene Bandscheibenmaterial:

  • das Rückenmark einengen
  • Nervenwurzeln (Spinalnerven) komprimieren

Die Folgen sind häufig:

  • starke Nackenschmerzen
  • ausstrahlende Schmerzen in Schulter, Arm und Hand
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • in ausgeprägten Fällen auch Lähmungserscheinungen

Welche Ursachen hat ein Bandscheibenprolaps der HWS?

Bandscheibenvorfall-HWS-Grafische-Darstellung

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule: Durch Risse im Faserring (Anulus fibrosus) können Anteile der Gallertmasse (Nucleus pulposus), dem inneren Teil der Bandscheibe austreten und Rückenmark oder Nerven komprimieren.

Ein Bandscheibenvorfall HWS kann bereits ab dem mittleren Lebensalter auftreten. In der Mehrzahl der Fälle entsteht er durch einen Verschleißprozess:

  • Alterung und Elastizitätsverlust der Bandscheibe
  • feine Risse im Faserring
  • wiederholte Überlastung und Fehlbelastung der Halswirbelsäule

Auch häufige Fehlhaltungen oder dauerhafte Überlastungen (z. B. berufliche Beanspruchung, sitzende Tätigkeiten) spielen eine Rolle.

Sie führen dazu, dass:

  • der Gallertkern sich verlagert oder vorwölbt (Protrusion)
  • im weiteren Verlauf ein eigentlicher Bandscheibenvorfall entsteht

In seltenen Fällen ist ein Unfall mit starker Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule Auslöser.

Fehlhaltungen sind heute weit verbreitet – vor allem durch unseren Alltag:

  • lange sitzende Tätigkeiten
  • nach vorne geneigte Kopfhaltung beim Arbeiten oder Lesen
  • häufiger Blick nach unten auf das Smartphone („Handy-Nacken“)

Unser Kopf wiegt etwa fünf Kilogramm – solange er aufrecht über der Wirbelsäule steht. Neigen wir den Kopf deutlich nach vorne, etwa beim Blick auf das Smartphone, können auf die HWS Kräfte von bis zu rund 20 Kilogramm wirken. Das bedeutet Schwerstarbeit für Muskulatur und Bandscheiben im Bereich der HWS. Beim langen Sitzen sackt der Oberkörper häufig nach vorne, der Rücken wird rund, die Schultern fallen nach vorne. In dieser Position schauen viele zusätzlich auf einen Bildschirm und überstrecken den Hals. Diese Kombination kann die Bandscheiben der Halswirbelsäule erheblich belasten.

Zu einseitige Bewegungen und dauerhaft gleiche Körperhaltungen:

  • verkürzen die Muskulatur
  • führen zu Verspannungen
  • verringern die Entlastungsmöglichkeiten der Bandscheiben

Die volle Beweglichkeit der HWS – Kopf in den Nacken legen, zur Brust neigen, seitlich nach links und rechts drehen – wird im Alltag oft kaum genutzt. Das begünstigt auf Dauer Beschwerden und kann einen Bandscheibenvorfall HWS mit begünstigen.

Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall HWS

  • altersbedingte Degeneration und Schwächung des Faserrings
  • Fehl- und Überbelastungen (z. B. langes Sitzen, einseitige Körperhaltung)
  • schwache Nacken- und Rückenmuskulatur im Bereich der HWS
  • ruckartige Bewegungen oder Drehungen des Kopfes
  • genetische Veranlagung (familiär gehäufte Bandscheibenvorfälle oder Rückenbeschwerden)
  • ungünstige, einseitige Ernährung und wenig Bewegung

Welche Symptome hat ein Bandscheibenvorfall in der HWS?

Die Beschwerden bei einem Bandscheibenvorfall der HWS können sehr unterschiedlich stark ausfallen. Typische Symptome sind:

  • Schmerzen im Nacken, die bis in den Kopf und/oder die Schulterregion ausstrahlen
  • Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Schwächegefühle, die vom Nacken in Arme, Handrücken und/oder Finger ziehen
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln (Parästhesien) in Arm oder Hand
  • Schwäche oder Lähmungen bestimmter Armmuskeln

Je nach Höhe des Bandscheibenvorfalls (z. B. C5/C6 oder C6/C7) sind unterschiedliche Nervenwurzeln betroffen, was zu einem individuellen Beschwerdebild führt.

Das individuelle Beschwerdebild des Bandscheibenprolaps richtet sich nach den folgenden Faktoren:

  • Bandscheibenvorfall HWS_MRT-Aufnahme

    MRT- Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule

    Welcher Abschnitt der Halswirbelsäule ist betroffen?

  • In welchem Ausmaß sind angrenzende Nervenstrukturen durch den Bandscheibenvorfall eingeengt?

Warnzeichen, bei denen rasch ärztliche Hilfe oder eine Notfallvorstellung notwendig sein kann, sind:

  • deutliche Schwäche oder Lähmungserscheinungen
  • zunehmende Gefühlsstörungen
  • Probleme mit Feinmotorik oder Gangbild

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der HWS behandelt?

Ein Bandscheibenvorfall HWS wird in unserem MVZ – wann immer möglich – konservativ, also ohne offene Operation, behandelt. Ziel der Therapie ist:

  • Schmerzlinderung
  • Erhalt oder Wiederherstellung der Beweglichkeit
  • Vermeidung von Schonhaltungen und Folgeschäden

Wichtige Bausteine der konservativen Behandlung:

  • Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente (z. B. NSAR), um starke Schmerzen zu kontrollieren und Schonhaltung zu vermeiden
  • Physiotherapie mit Mobilisation, Dehn- und Kräftigungsübungen für Nacken- und Schultermuskulatur
  • Wärmebehandlungen, die die Durchblutung fördern und verspannte Muskulatur lockern bei ausgewählten Patient:innen Akupunktur, osteopathische Verfahren oder Massageanwendungen

Bei besonders hartnäckigen Beschwerden setzen wir wirbelsäulennahe Infiltrationen ein: Unter bildgebender Kontrolle (z. B. Röntgen oder CT) werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente gezielt an die betroffene Nervenwurzel oder in die Nähe der schmerzhaften Bandscheibe gespritzt.

inimal-invasive Therapie: Mikrolaserbehandlung (PLDN)

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kommt in ausgewählten Fällen eine minimal-invasive Behandlung mit Mikrolaser infrage. Das Verfahren nennt sich Perkutane Laserdiskusdekompression und -nukleotomie (PLDN).

Hierbei:

  • wird eine sehr dünne Punktionsnadel unter Röntgenkontrolle bis zur betroffenen Bandscheibe im Bereich der HWS vorgeschoben
  • durch diese Nadel eine feine Mikrolaserfaser eingeführt
  • die Laserenergie gezielt im Bandscheibengewebe eingesetzt

So können vorgewölbte oder vorgefallene Bandscheibenanteile gezielt geschrumpft und die Nerven entlastet werden.

Die Mikrolasertherapie nach Dr. Schneiderhan zielt auf mehrere Effekte ab:

  1. Reduktion des vorgetretenen Bandscheibengewebes – Entlastung der eingeengten Nervenstruktur.
  2. Unterbrechung von Schmerzfasern im Bereich der betroffenen Bandscheibe.
  3. Rückbildung entzündlicher Prozesse durch Zerstörung von Entzündungs- und Schmerzhormon-Bildungsstätten.
  4. “Verschweißen” kleiner Einrisse im Faserring, sodass die Bandscheibe wieder belastbarer wird.

Die Behandlung erfolgt in der Regel kurzstationär (meist über zwei Tage). Häufig berichten Patient:innen bereits rasch über eine deutliche Schmerzlinderung. Eine ambulante Rehabilitation oder physiotherapeutische Weiterbehandlung kann meist nach kurzer Zeit begonnen werden; je nach Belastungsprofil ist auch Sport zeitnah wieder möglich.

In den letzten Jahren wurde die Technik kontinuierlich weiterentwickelt. Mit noch dünneren Laserfasern können heute auch besonders enge und stark verschlissene Bandscheibenbereiche in der Halswirbelsäule erreicht werden. So lassen sich auch Bereiche behandeln, die durch Höhenminderung der Bandscheibe oder knöcherne Randkanten schwierig zugänglich sind.

Operative Therapie

Ist eine Operation unumgänglich – etwa bei anhaltenden Lähmungen oder fehlender Besserung trotz konsequenter konservativer Therapie – gehen wir in unserem MVZ Dr. Schneiderhan & Kollegen in der Regel mikrochirurgisch vor.

Dabei wird der vorgetretene Teil des Gallertkerns entfernt, sodass:

  • die betroffene Nervenwurzel bzw. das Rückenmark entlastet werden
  • Schmerzen und neurologische Ausfälle möglichst rasch zurückgehen können

Welche Therapieform im Einzelfall sinnvoll ist, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen nach gründlicher Diagnostik (klinische Untersuchung, MRT, ggf. weitere Verfahren).