Aufbau der Lendenwirbelsäule (LWS)

Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln. Diese befinden sich zwischen der Brustwirbelsäule und dem Kreuzbein. Die Lendenwirbelsäule hat eine physiologische Krümmung nach vorne (Lordose). Die Lendenwirbel und deren dazugehörige Gelenkfortsätze sind sehr robust, da die Lendenwirbelsäule den gesamten Rumpf und Kopf tragen muss.

Zwischen den Lendenwirbeln befinden sich – wie in der gesamten Wirbelsäule – die Bandscheiben und Bänder.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall der LWS?

Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule

Wenn die Bandscheibe ihren Dienst versagt, dann geschieht dieser „Vorfall“ meist im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). In ihren Befunden bzw. Arztbriefen finden die Patienten dann mitunter auch Fachbegriffe wie „lumbale Diskushernie“ oder „lumbaler Prolaps“. Nur in etwa zehn Prozent der Fälle ist die Halswirbelsäule (HWS) betroffen, in rund 90 Prozent die LWS. Kein Wunder: „Dort ist der Druck am höchsten“, weiß Wirbelsäulen-Profi Dr. Reinhard Schneiderhan und erklärt den Hintergrund: „Am stärksten lastet das Gesamtgewicht der Wirbelsäule auf den beiden untersten Bandscheiben. Am häufigsten treten Bandscheibenvorfälle zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbelkörper sowie zwischen dem fünften Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein auf.“ Gerade in diesem Bereich und insgesamt an der Lendenwirbelsäule müssen die Bandscheiben oft Schwerstarbeit leisten – und zwar als Stoßdämpfer. „Sie fangen Stöße und Erschütterungen ab“, so Dr. Schneiderhan. Eine Aufgabe, die im Laufe eines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes an den Bandscheiben zehrt. „Mit dem Alter sinkt der Wassergehalt der Bandscheiben, sie verlieren an Elastizität. Dadurch verlieren sie zunehmend ihre Pufferfunktion und werden darüber hinaus anfällig für Verschleiß“, erläutert Dr. Schneiderhan.

Die gefürchtete Kettenreaktion

Mit der Zeit können sich zunehmend kleine Risse am äußeren Fasserring der Bandscheibe bilden. Dieser umschließt eine zähe, geleeartige Masse im Inneren. „Im gesunden Zustand kann man sich die Bandscheibe vorstellen wie eine Art Gelkissen. Es ist weich und elastisch genug, um Belastungen abzufedern. Aufgrund der Risse wölbt sich allerdings der gelartige Kern immer weiter nach außen vor, sozusagen als Vorbote eines Bandscheibenvorfalls. In der Fachsprache ist dann von Protrusion die Rede“, übersetzt Dr. Schneiderhan aus dem Medizinerdeutsch. Von einem Bandscheibenvorfall spricht man dann, wenn die äußere der Hülle komplett reißt. Dadurch bahnt sich die geleeartige Masse ihren Weg nach außen. Sie gelangt in Richtung des Spinalkanals – eine ohnehin schon vergleichsweise enge zentrale Röhre im Inneren der Wirbelsäule. Dort kann die Bandscheibenmasse auf Nerven drücken. Die möglichen Folgen reichen von höllischen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen. „Sehr häufig verspüren die Patienten einen ischiasartigen Nervenschmerz. Er zieht z. Bsp. über das Gesäß und die Außenseite des Beins bis in den Fuß. Es kann auch vorkommen, dass die Patienten kaum noch gehen können.“

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der LWS behandelt?

Legen Sie sich nicht vorschnell unters Messer

Trotz der mitunter großen Schmerzen ist nur selten eine Operation nötig. „In Deutschland wird bei Bandscheibenvorfällen viel zu oft und viel zu schnell operiert“, warnt Dr. Schneiderhan. Der Wirbelsäulenprofi, der im letzten Vierteljahrhundert bereits tausende Prolaps-Patienten behandelte, schätzt, dass sich die Beschwerden in über 90 Prozent der Fälle auch ohne OP bessern. Als Faustregel gilt: Zunächst sollte der Patient, wenn die Schmerzen dies zulassen, ca. vier Wochen lang alle Möglichkeiten der konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen. Dazu zählen unter anderem die Physiotherapie mit Wärmebehandlungen, Schmerzmedikamenten und lokale Infiltrationen. „Dabei werden Medikamente unter Röntgenkontrolle gezielt und hochpräzise genau an die erkrankten Bandscheiben geleitet“, erklärt Dr. Schneiderhan. Solche gezielten Injektionen kommen insbesondere auch bei Bandscheibenverschleiß mit Bandscheibenveränderungen – in der Fachsprache Osteochondrose genannt – oder bei Einengungen des Wirbelkanals (sogenannte Stenosen) zum Einsatz. Davon sind besonders viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte betroffen.

Die Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie

Aber um es noch einmal zu betonen: Eine solche OP ist nur selten nötig! In der Praxisklinik Dr. Schneiderhan & Kollegen können die Experten bei Bandscheibenvorfällen an der LWS schnell helfen, ohne dass Sie gleich auf dem OP-Tisch landen. „Wir haben sozusagen eine Art voll ausgestatteten Instrumentenkasten an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, den wir mit viel Know-how und Erfahrung gezielt für unsere Patientinnen und Patienten einsetzen. Dazu zählen moderne minimalinvasiver Eingriffe wie der Wirbelsäulenkatheter oder die Bandscheiben-Behandlung mit Mikrolaser oder Hitzesonde“, berichtet Dr. Schneiderhan, der seit 1996 gemeinsam mit seinem Ärzteteam bereits über 40 000 solcher Behandlungen durchgeführt hat und insbesondere als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Wirbelsäulenkatheter-Therapie gilt. „Erst wenn diese und andere minimalinvasive Therapien nicht den gewünschten Erfolg bringen, sollte über weitere endoskopische Verfahren oder gar OP nachgedacht werden.“

Wenn die OP nötig ist: Das kommt auf Sie zu

Falls der Eingriff sein muss, stehen Ihnen in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan erfahrene Neurochirurgen zur Verfügung. „In unserem Spezialistenzentrum arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen Hand in Hand – das fängt schon bei der Diagnostik an und geht bis zur umfangreichen Nachbetreuung nach einer OP“, erläutert Dr. Schneiderhan. Eine Bandscheiben-OP selbst dauert kaum länger als 45 Minuten, sie wird meist endoskopisch durchgeführt. Dabei schiebt der Operateur ein Röhrchen durch einen kleinen, nur zwei bis drei Zentimeter langen Hautschnitt bis zum Wirbelkanal vor. In dessen Inneren kann er filigrane Instrumente zum Einsatzort steuern, um den Bandscheibenvorfall zu entfernen. Nach der OP werden die Patienten auch von Physiotherapeuten betreut und lernen, wie Sie möglichst schnell und sicher wieder auf die Beine können.

Stufenlagerung als Erste Hilfe-Maßnahme

Bei Rückenschmerzen – insbesondere im Lendenwirbelsäulenbereich – kann Ihnen eine einfache Sofortmaßnahme etwas Linderung verschaffen: Legen Sie sich auf einer festen Unterlage flach auf den Rücken. Platzieren Sie die Beine auf einem oder mehreren Kissen, so dass die Knie einen rechten Winkel bilden. Diese Position entspannt und entlastet den Rücken. Und noch ein Alltags-Tipps: Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser oder ungesüßten Tee. Der Grund: „Eine beständige Flüssigkeitszufuhr ist auch für den Rücken elementar“, betont Dr. Schneiderhan. „Denn der gallertartige Kern der Bandscheibe besteht zu 80-85 % aus Wasser und ist verformbar, weshalb die Bandscheiben als Stoßdämpfer der Wirbelsäule fungieren. Werden sie belastet, geben sie Wasser ab, und bei Entlastung nehmen sie neues, mit Nährstoffen angereichertes Wasser, wieder auf. Anderthalb bis zwei Liter Wasser pro Tag sind ideal.“

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Abb. Stufenlagerung als Erste Hilfe-Maßnahme (Quelle)

Entlasten Sie Ihre Lendenwirbelsäule im Schlaf

Bei wissenschaftlichen Studien hat sich herauskristallisiert, dass ausreichend Schlaf Rückenproblemen vorbeugt. „Am gesündesten ist der Wechsel der Liegepositionen zwischen Rücken- und Seitenlage. Ein individuelles Bettsystem vorausgesetzt, ergibt sich in der Seitenlage eine neutrale Ausrichtung der Wirbelsäule und in der Rückenlage eine natürliche, S-förmige Krümmung. Um die Lendenwirbelsäule effektiv zu entlasten, kann es zudem helfen, zusätzlich zwei Polster unter den Knien zu platzieren“, rät Dr. Schneiderhan.

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Abb: ergonomische Seitenlage (Quelle: Praxisklinik Dr. Schneiderhan & Kollegen)

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Abb: Gesunde und ergonomisch richtige Schlafpositionen (Quelle istock)

Gönnen Sie Ihren Bandscheiben Bewegung

Die Stoßdämpfer in Ihrer Wirbelsäule brauchen Bewegung wie wir Menschen die Luft zum Atmen. Bewegung und Training bewirken nämlich, dass Rücken- und Bauchmuskeln gestärkt werden. „Sie geben der Wirbelsäule Halt“, erläutert Dr. Schneiderhan. „Zudem füllen sich durch sportliche Aktivitäten die Bandscheiben mit Flüssigkeit und erhalten dadurch ihre natürliche Pufferfunktion.“

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Abb: Bewegung macht den Rücken stark (Quelle: istock)

Entlarven Sie die Bandscheibenfallen im Büro

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Wenn Sie Probleme mit den Bandscheiben und andere Rückenbeschwerden haben, sollten Sie Ihren Arbeitsplatz genauer unter die Lupe nehmen. „Ihr Schreibtisch hat die ideale Höhe, wenn die Unterarme flach aufliegen und mit den Oberarmen einen rechten Winkel bilden. Ihr Stuhl sollte so eingestellt sein, dass Ober- und Unterschenkel einen Winkel von mindestens 90 Grad bilden. Die Rückenlehne sollte leicht nach vorne gewölbt sein, um die Lendenwirbel möglichst gut zu stützen. Platzieren Sie den Bildschirm des Computers so hoch, dass Sie beim Arbeiten leicht abwärts blicken.

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Abb: Ergonomie am Arbeitsplatz ist wichtig (Quelle istock)

Vorsicht beim Heben im Alltag

Gerade überraschende schwere Belastungen können Ihren Bandscheiben schaden – beispielsweise dann, wenn Sie im Alltag schwere Gegenstände heben. Der wichtigste Tipp dazu: Wuchten Sie die Lasten niemals mit rundem Rücken in die Höhe, sondern gehen Sie stattdessen in die Knie. Heben Sie die Gegenstände mit gestrecktem Rücken durch die Kraft Ihrer Beinmuskeln. Verteilen Sie Ihre Einkäufe immer auf zwei Tüten und tragen Sie diese jeweils in einer Hand. Dr. Schneiderhan: „So bleibt Ihr Rücken gerade.“

Bei Autofahr-Pausen helfen einfache Übungen gegen Verspannungen

Auch Autofahren kann dem Rücken zusetzen. Wer zu lange ohne Pause am Steuer sitzt, stresst seinen Rücken. Deshalb gilt die Faustregel: spätestens alle zwei Stunden anhalten, aussteigen und sich ein paar Minuten die Beine vertreten. Gegen Verspannungen können Sie während der Pausen einfache, aber effektive Bewegungsübungen machen. So hilft es, die Schultern zwischendurch immer wieder hochzuziehen und dann locker fallen zu lassen. Auch das „Äpfelpflücken“ mobilisiert den Rücken. Dazu greift man im Stehen oder Sitzen mit den Armen abwechselnd zur Decke und dehnt die Flanken.

Richtig sitzen mit dem Lordosekissen

Aber auch während der Fahrt kann man seinen Bandscheiben etwas Gutes tun: Beugen Sie sich ab und zu vor und lehnen Sie sich zurück. Selbst geringfügige Bewegung tut Ihrer Wirbelsäule gut. „Auch ein Lordosekissen auf Höhe der Lendenwirbelsäule sorgt für eine bessere Sitzhaltung und entlastet die Bandscheiben“, empfiehlt Dr. Schneiderhan.