Bandscheibenvorfall LWS – Symptome, Ursachen , Übungen

Ein Bandscheibenvorfall LWS (Lendenwirbelsäule) gehört zu den häufigsten Ursachen für tiefe Rückenschmerzen. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können die Beschwerden vom unteren Rücken bis ins Gesäß, die Beine oder Füße ausstrahlen.

Auf dieser Seite erfahren Sie,

  • wie die Lendenwirbelsäule (LWS) aufgebaut ist,
  • was bei einem Bandscheibenvorfall im unteren Rücken genau passiert,
  • welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt
  • und welche Übungen sowie Alltagsmaßnahmen Ihre LWS entlasten können.

Als Orthopäde in München mit Schwerpunkt Wirbelsäulenmedizin behandelt das MVZ Dr. Schneiderhan seit vielen Jahren Patient:innen mit Bandscheibenvorfall – konservativ, minimal-invasiv und, wenn nötig, auch operativ.

Überblick über den Inhalt:

Aufbau der Lendenwirbelsäule (LWS)

Die Lendenwirbelsäule (LWS) ist der unterste, besonders belastete Abschnitt der Wirbelsäule. Sie besteht aus fünf Lendenwirbeln (L1 bis L5) zwischen Brustwirbelsäule (BWS) und Kreuzbein.

Typische Merkmale der LWS:

  • natürliche Vorwärtskrümmung (Lordose) zur Stabilisierung und Stoßabfederung
  • große, robuste Wirbelkörper, da sie das Gewicht von Rumpf und Kopf tragen
  • wichtige Rolle bei Beugung, Streckung und Drehbewegungen von Becken und Beinen

Zwischen den Lendenwirbeln liegen – wie in der gesamten Wirbelsäule – Bandscheiben. Sie bestehen aus:

  • einem weichen, gallertigen Kern (Nucleus pulposus)
  • einem festen äußeren Faserring (Annulus fibrosus)

Die Bandscheiben wirken als „Stoßdämpfer“ der Wirbelsäule: Sie verteilen Druck, fangen Erschütterungen ab und ermöglichen gleichzeitig Beweglichkeit. Bänder und Muskulatur stabilisieren zusätzlich die Lendenwirbelsäule.Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall der LWS?

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall der LWS?

Ein Bandscheibenvorfall der LWS entsteht, wenn der äußere Faserring einer Bandscheibe einreißt und Anteile des Gallertkerns nach außen treten (Prolaps).

Oft findet sich in Arztbriefen die Bezeichnung:

  • „lumbaler Bandscheibenvorfall“
  • „lumbale Diskushernie“ oder
  • „lumbaler Prolaps“

In rund 90 % aller Bandscheibenvorfälle ist die LWS betroffen, nur etwa 10 % entfallen auf die Halswirbelsäule. Das liegt daran, dass im unteren Rücken der Druck am höchsten ist. Am häufigsten kommt es zu Vorfällen:

  • zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbelkörper (L4/L5)
  • zwischen dem 5. Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein (L5/S1)

Hier müssen die Bandscheiben täglich Schwerstarbeit leisten. Mit zunehmendem Alter sinkt der Wassergehalt der Bandscheiben, sie verlieren an Elastizität und damit an Pufferfunktion. Dadurch werden sie anfälliger für Risse und Verschleiß.

Die „Kettenreaktion“ beim Bandscheibenvorfall

Zunächst entstehen häufig feine Risse im Faserring. Der weiche Gallertkern wölbt sich in Richtung dieser Schwachstellen vor – man spricht dann von einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion). Reißt der Faserring vollständig, kann Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal austreten. Dort verläuft der Ischiasnerv bzw. die entsprechenden Nervenwurzeln. Wird eine Nervenwurzel durch das vorgefallene Gewebe eingeengt, sind typische Folgen:

  • starke, stechende oder brennende Schmerzen im unteren Rücken
  • ausstrahlende Schmerzen über Gesäß und Bein, oft bis in den Fuß („Ischias-Schmerz“)
  • Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • gegebenenfalls Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen

Manche Betroffene können sich kaum noch aufrichten oder nur wenige Schritte gehen. Bei plötzlichen Lähmungen, Störungen der Blasen- oder Darmfunktion oder einer Reithosen-Anästhesie (Taubheitsgefühl im Schritt) liegt ein Notfall vor – hier ist sofortige ärztliche Hilfe wichtig.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der LWS behandelt?

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls an der Lendenwirbelsäule richtet sich immer nach der Stärke der Beschwerden und den begleitenden Symptomen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und Folgeschäden zu verhindern. In vielen Fällen lässt sich dies mit schonenden, konservativen Maßnahmen erreichen – bevor überhaupt an eine Operation gedacht werden muss.

Nicht vorschnell operieren

Auch wenn ein Bandscheibenvorfall LWS sehr schmerzhaft sein kann, ist eine Operation nur in relativ wenigen Fällen notwendig. In den meisten Situationen bessern sich die Beschwerden mit einer konsequenten konservativen Behandlung deutlich.

Erfahrung aus vielen Jahren Wirbelsäulenmedizin zeigt:

In einem hohen Anteil der Fälle lässt sich ein Bandscheibenvorfall ohne klassische offene Operation gut behandeln – vorausgesetzt, es liegen keine schwerwiegenden Lähmungen oder Notfallsituationen vor.

Als Faustregel gilt:

Wenn es der Zustand erlaubt, sollten zunächst für etwa vier Wochen alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Typische Bausteine der konservativen Therapie:

  • Schmerzmedikamente und entzündungshemmende Medikamente
  • Physiotherapie mit Mobilisation, Kräftigung und Dehnung
  • Wärmeanwendungen zur Muskelentspannung
  • Wirbelsäulennahe Infiltrationen (gezielte Spritzenbehandlungen)

Bei Infiltrationen werden Medikamente unter bildgebender Kontrolle (meist Röntgen) sehr genau an die schmerzauslösende Struktur an der Lendenwirbelsäule gebracht. Sie kommen u. a. bei:

zum Einsatz – besonders häufig bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

Moderne minimal-invasive Verfahren

Im MVZ Dr. Schneiderhan & Kollegen stehen neben konservativen Maßnahmen verschiedene minimal-invasive Eingriffe zur Verfügung, zum Beispiel:

Diese Verfahren ermöglichen es, gezielt Schmerzursachen im Bereich der LWS zu behandeln, ohne größere Schnitte setzen zu müssen.

Mit über 20 Jahren Erfahrung und vielen tausend durchgeführten Eingriffen setzt das Ärzteteam diese Techniken individuell abgestimmt ein. Erst wenn konservative und minimal-invasive Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen oder deutliche Lähmungen bestehen, wird mit Ihnen über weitergehende Verfahren bis hin zur Operation gesprochen.

Wenn eine Operation notwendig wird

Ist bei einem Bandscheibenvorfall LWS eine OP unumgänglich – zum Beispiel bei anhaltenden neurologischen Ausfällen – kommen in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan erfahrene Neurochirurg:innen zum Einsatz.

Typische Merkmale einer Bandscheiben-Operation an der LWS:

  • in der Regel minimal-invasiv bzw. endoskopisch
  • kleiner Hautschnitt (ca. 2-3 cm)
  • schonendes Vorschieben von Instrumenten bis zur betroffenen Bandscheibe
  • Entfernung des vorgefallenen Bandscheibenanteils und Entlastung der Nervenwurzel

In besonderen Fällen kann die Bandscheibe ersetzt oder die angrenzenden Wirbelkörper stabilisiert (Versteifung / Fusion) werden. Nach der OP unterstützen Physiotherapeut:innen den Wiedereinstieg in den Alltag, damit Sie möglichst früh wieder sicher auf die Beine kommen.

Erste Hilfe bei Schmerzen an der LWS

Akute Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule treten oft plötzlich auf und verunsichern viele Betroffene. In solchen Situationen können einfache Maßnahmen helfen, die Beschwerden zunächst zu reduzieren und den Rücken zu entlasten. Eine bewährte Möglichkeit, die Sie direkt zu Hause anwenden können, ist die sogenannte Stufenlagerung.

Stufenlagerung als Soforthilfe

Bei akuten Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule kann eine einfache Maßnahme oft schnell Erleichterung bringen: die Stufenlagerung.

So geht’s:

  1. Legen Sie sich auf eine feste Unterlage auf den Rücken.
  2. Lagern Sie die Unterschenkel auf einem Hocker oder mehreren Kissen, sodass Hüfte und Knie einen rechten Winkel bilden.
  3. Atmen Sie ruhig und lassen Sie die Muskulatur im unteren Rücken bewusst los.

Diese Position entlastet die LWS, reduziert den Druck auf die Bandscheiben und kann Schmerzen spürbar lindern.

Auch wichtig: ausreichend trinken. Der Gallertkern der Bandscheiben besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr (etwa 1,5-2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag, sofern medizinisch nichts dagegen spricht) unterstützt die Versorgung der Bandscheiben.

Stufenlagerung-gegen.Bandscheibenvorfall-lws

Abb. Stufenlagerung als Erste Hilfe-Maßnahme (Quelle)

Die LWS im Schlaf entlasten

Ausreichend und erholsamer Schlaf hilft, Rückenbeschwerden vorzubeugen und bestehende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule nicht zusätzlich zu verstärken. Wichtig ist dabei nicht nur die Schlafdauer, sondern vor allem die Schlafposition und die Lagerung der Wirbelsäule.

Empfehlenswert ist ein Wechsel zwischen Rücken- und Seitenlage:

  • In Rückenlage sollte die Wirbelsäule ihre natürliche S-Form behalten. Der Kopf liegt nicht zu hoch, der Nacken ist weder überstreckt noch stark gebeugt.
  • In Seitenlage ist eine neutrale, möglichst gerade Ausrichtung der Wirbelsäule ideal – von der Halswirbelsäule bis zur Lendenwirbelsäule

Zur Entlastung der Lendenwirbelsäule kann es helfen, in Rückenlage ein oder zwei Kissen unter die Knie zu legen. Dadurch kippt das Becken leicht nach hinten, der untere Rücken wird flacher und die LWS entlastet. In Seitenlage unterstützt ein Kissen zwischen den Knien eine stabile Position: Die Hüfte bleibt gerade, das Becken dreht sich weniger ein, und der Zug auf die Lendenwirbelsäule nimmt ab.

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Abb: ergonomische Seitenlage (Quelle: Praxisklinik Dr. Schneiderhan & Kollegen)

Sehr hilfreich ist außerdem ein zur Schlafposition passendes Kopfkissen:

  • Seitenschläfer profitieren von einem etwas höheren, formstabilen Kissen, das den Abstand zwischen Schulter und Kopf ausgleicht.
  • Rückenschläfer benötigen eher ein flacheres Kissen, damit der Kopf nicht nach vorne geschoben wird und die Halswirbelsäule im Lot bleibt.

Wer unter einem Bandscheibenvorfall LWS leidet, sollte nach Möglichkeit auf die Bauchlage verzichten. In dieser Position wird der Lendenbereich häufig ins Hohlkreuz gedrückt, und die Lendenwirbelsäule kann zusätzlich belastet werden. Wenn Bauchlage gar nicht zu vermeiden ist, kann ein flaches Kissen unter dem Becken den Druck auf die LWS etwas reduzieren.

Viele Menschen schlafen einseitig „eingekugelt“ auf der Seite, mit stark angewinkelten Beinen und rundem Rücken. Kurzfristig fühlt sich das gemütlich an, auf Dauer kann diese Haltung jedoch zu Verspannungen und einer ungleichmäßigen Belastung der Lendenwirbelsäule führen. Besser ist eine lockere Seitenlage mit leicht angewinkelten Beinen, Kissen zwischen den Knien und einem Kissen, das Kopf und Nacken in Verlängerung der Wirbelsäule hält.

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Abb: Gesunde und ergonomisch richtige Schlafpositionen (Quelle istock)

Bewegung für eine starke Lendenwirbelsäule

Die Bandscheiben sind auf Bewegung angewiesen. Durch wechselnde Belastung:

  • werden Rücken– und Bauchmuskeln gestärkt
  • „pumpen“ sich die Bandscheiben mit Flüssigkeit und Nährstoffen voll
  • bleibt die Lendenwirbelsäule besser belastbar

Geeignete Aktivitäten sind zum Beispiel:

  • zügiges Spazierengehen
  • Nordic Walking
  • Radfahren
  • schonendes Krafttraining für Rumpf- und Beinmuskulatur
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Abb: Bewegung macht den Rücken stark (Quelle: istock)

Entlarven Sie die Bandscheibenfallen im Büro

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Wer viel sitzt, sollte den Arbeitsplatz möglichst rückenfreundlich gestalten – das entlastet die Lendenwirbelsäule und kann einem Bandscheibenvorfall LWS vorbeugen oder bestehende Beschwerden mindern:

  • Schreibtischhöhe: So wählen, dass die Unterarme beim Tippen etwa im rechten Winkel aufliegen und die Schultern entspannt bleiben.
  • Stuhl-Einstellung: Ober- und Unterschenkel sollten einen Winkel von mindestens 90 Grad bilden, die Füße stehen flach auf dem Boden oder auf einer Fußstütze.
  • Rückenlehne & Lendenstütze: Eine leicht nach vorne gewölbte Rückenlehne sowie eine zusätzliche Lendenstütze unterstützen die natürliche Krümmung der LWS.
  • Bildschirmposition: Der Bildschirm sollte so stehen, dass der Blick leicht nach unten gerichtet ist, ohne den Kopf nach vorne schieben zu müssen.
 richtige Haltung gegen Bandscheibenvorfall LWS

Abb: Ergonomie am Arbeitsplatz ist wichtig (Quelle istock)

Ergonomie bedeutet dabei nicht nur „richtig sitzen“, sondern auch regelmäßig die Position zu wechseln. Viele Menschen nutzen ergänzend einen Gymnastikball als Sitzgelegenheit. Durch das sogenannte dynamische Sitzen werden Rumpf- und Rückenmuskulatur aktiviert, kleine Ausgleichsbewegungen entlasten die Lendenwirbelsäule. Wichtig ist dabei, den Ball nicht dauerhaft, sondern bewusst im Wechsel mit einem ergonomischen Bürostuhl einzusetzen. In Kombination mit einer aufgerichteten Körperhaltung, kurzen Stehpausen und Lockerungsübungen lassen sich so die Bandscheiben im Bereich der LWS im Arbeitsalltag wirksam entlasten.

Richtig heben und tragen im Alltag

Plötzliche, ungeplante Belastungen sind für einen Bandscheibenvorfall LWS besonders ungünstig. Achten Sie beim Heben schwerer Gegenstände darauf:

  • nie mit rundem Rücken heben
  • in die Knie gehen und den Rücken möglichst gerade halten
  • Lasten körpernah führen
  • Gewicht auf zwei Seiten verteilen, z. B. zwei Einkaufstaschen statt einer schweren

So übernehmen die kräftigen Beinmuskeln einen Großteil der Last und die Lendenwirbelsäule wird geschont.

Pausen beim Autofahren und Lordosekissen

Längere Autofahrten beanspruchen die LWS durch monotones Sitzen. Hilfreich sind:

  • regelmäßige Pausen – spätestens alle zwei Stunden kurz aussteigen und sich bewegen
  • einfache Lockerungsübungen, z. B. Schultern hochziehen und fallen lassen, „Äpfelpflücken“ mit abwechselndem Strecken der Arme

Während der Fahrt können kleine Haltungswechsel ebenfalls entlasten. Ein Lordosekissen im Lendenbereich unterstützt die natürliche Krümmung und mindert den Druck auf die Bandscheiben.