Anulus fibrosus: Der äußere Faserring der Bandscheibe

Menschliche Wirbelsäulen zeichnen sich durch ihre beweglichen Verbindungen, die Bandscheiben, aus. Diese liegen zwischen den einzelnen Wirbeln und federn auf natürliche Weise Bewegungen und Stöße des täglichen Lebens ab. Insgesamt gibt es 23 Bandscheiben, zahlreiche Bänder und 33 Wirbel, die uns das aufrechte Gehen ermöglichen. So lässt sich die Wirbelsäule als Achse des menschlichen Körpers beschreiben und vor allem Bandscheiben tragen zu ihrer flexiblen Beweglichkeit bei. Im Inneren setzen sich diese natürlichen Stoßdämpfer aus zwei Teilen zusammen: Auf der einen Seite aus einem äußeren Faserring, dem Anulus fibrosus, und auf der anderen Seite aus einem mittigen Gallertkern, bestehend aus zellarmem Gewebe.

Der Anulus fibrosus sorgt für die notwendige Stabilität in den Bandscheiben

Der Anulus fibrosus, auch äußerer Faserring genannt, besteht aus zwei Zonen: Die stabile Außenzone umfasst kollagene Bindegewebsfasern, die in konzentrisch verlaufenden Lamellen, also gleichmäßig kreisförmig, angeordnet sind. Dabei gibt es mehrere Faserschichten, die sich überlagern und in ihren Verlaufsrichtungen variieren. So entsteht ein überkreuzendes Muster, das zur optimalen Kraftübertragung beiträgt. Die flüssigkeitsreiche Innenzone des Anulus fibrosus enthält Faserknorpel, Kollagenfasern sowie Knorpelzellen und trägt zur Anpassung an jede auftretende Bewegung bei. Insgesamt sorgt der Anulus fibrosus für die notwendige Stabilität in den Bandscheiben und umschließt den Gallertkern. Mit dieser aufwendigen Konstruktion erlangt die menschliche Wirbelsäule ihre Beweglichkeit sowie die Möglichkeiten, im gewissen Maß Belastungen aufzufangen.

Funktion der Bandscheiben

Bandscheiben bieten der Wirbelsäule vor allem Stabilität und Schutz. Sie liegen zwischen den einzelnen Wirbeln und beugen damit dem Verschleiß vor. Doch während des Alltags führen beispielsweise das Heben von schweren Gegenständen oder langes Sitzen in starren Positionen zu Belastungen, die wiederum Druck auf die Bandscheiben ausüben. Um diesem Gewicht standzuhalten, ist jede Bandscheibe von einem Anulus fibrosus umschlossen, der sie widerstandsfähig gegen Zug,- Druck,- oder Rotationsbewegungen macht. Im Inneren des Anulus fibrosus befindet sich der gallertartige Kern, der zu 80 bis 85 Prozent aus Wasser besteht und als eine Art Gelkissen fungiert. Dadurch kann der Gallertkern sich elastisch verformen und der Wirbelsäule Flexibilität bieten, beispielsweise ermöglicht er seitliche Bewegungen des Oberkörpers. Zudem sorgt der Gallertkern durch seine Elastizität für einen harmonischen Druckausgleich, denn bereits im alltäglichen Leben entsteht durch einfaches Stehen oder Laufen eine Belastung. Auch als Pufferelement dient der Gallertkern der Wirbelsäule und verteilt Lasten auf den umliegenden Anulus fibrosus und die angrenzende Muskulatur. Steht er jedoch unter Druck, verliert er vermehrt Flüssigkeit und die Bandscheiben werden folglich dünner. Aus diesem Grund gelten regelmäßige Be- und Entlastungen, zum Beispiel beim Sport, als wichtig. Denn dabei nehmen Bandscheiben umliegende Gewebeflüssigkeit und Nährstoffe auf, um den Verlust wieder auszugleichen. Mit steigendem Alter verschlechtert sich diese Versorgung jedoch und es besteht die Gefahr von Verschleißerscheinungen am Anulus fibrosus. Dadurch können Risse entstehen, wodurch das Risiko für einen Bandscheibenvorfall steigt.

Riss des Anulus Fibrosus

Ein Riss oder Einriss des Anulus Fibrosus entsteht meist durch Verschleiß. Wird die Bandscheibe nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgt, kann der Faserring einreißen und der gallertartige Kern tritt aus. In der Orthopädie sprechen wir dann von einem Bandscheibenvorfall. Das Innere der Bandscheibe drückt dabei meist auf die Nerven im Spinalkanal. Als Folge hiervon verspürt der Patient starke, stechende Schmerzen, die unter Belastung noch zunehmen. Die gute Nachricht ist jedoch: einen Riss des Anulus Fibrosus ist in der Regel gut mit konservativen Mitteln behandelbar.

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