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Retropatellararthrose

Was ist eine Retropatellararthose und was hilft dagegen?

Wenn Sie unter einer Retropatellararthrose leiden, können Sie selbst einiges tun, um die Schmerzen zu lindern. Wir verraten, was hilft.

 

Inhalt:

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Definition: Die Retropatellararthrose wird landläufig auch als Kniescheibenarthrose bezeichnet. Darunter ist eine Abnutzung des Kniegelenks zwischen Patella (Kniescheibe) und Oberschenkelknochen zu verstehen.
  • Symptome: Die Erkrankung äußert sich hauptsächlich mit Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, zum Beispiel wenn die Betroffenen Treppen hinuntergehen. Auch wenn sich die Patienten aus sitzenden Positionen erheben, treten Beschwerden auf.
  • Ursachen: Überlastung oder Fehlbildungen sind häufige Ursachen.

Was zu tun ist:

  • Sofort-Hilfe mit: Salben, Medikamenten, Kälte und Bewegung
  • Schnell zum Arzt bei: Schwellung, Instabilität, Geräusche bei Bewegung, starken Bewegungseinschränkungen, Formveränderungen und Fieber
  • Therapie: Schmerzmittel, Spritzen, Krankengymnastik und Operationen

Welche Symptome treten auf?

Leiden Betroffene unter einer Retropatellararthrose, ist es ihnen zumeist nicht möglich, ihr Knie ohne Schmerzen zu beugen und zu strecken. In einigen Fällen kommt es sogar zu einem Steifheitsgefühl oder zu einer Versteifung des Kniegelenks.

Folgende Symptome sind außerdem möglich:

  • Sitzschmerzen
  • Bewegungsgeräusche
  • Gelenkschwellungen oder Ergüsse
  • Fehlstellungen der Kniescheibe

Laut Outerbridge-Klassifikation gibt vier Grade der Retropatellararthrose (ICD 10, M17.9):

  • Stadium I: Knorpelerweichung
  • Stadium II: zusätzliche Aufwerfung der Oberfläche
  • Stadium III: ausdehnte Erosionen der Oberfläche
  • Stadium IV: tiefe Erosionen, die den Knorpel durchdringen

Grafische Darstellung KnieEin typischer Verlauf: Häufig schreitet nicht nur die Degeneration am betroffenen Knie fort, sondern nach ein paar Jahren ist auch das andere Knie betroffen.

Sollten Knieschmerzen auftreten, empfiehlt es sich, umgehend einen Arzt aufzusuchen, um die Ursachen der Erkrankung schnellstmöglich zu behandeln und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Denn eine Retropatellararthrose tritt häufig gemeinsam mit einer sogenannten Gonararthrose auf, also dem Verschleiß der Knorpel im Kniegelenk.

Genaue Diagnose wichtig

Ohne exakte Diagnose sind beide Erkrankungen leicht zu verwechseln. Deshalb kommen im Rahmen der ärztlichen Untersuchung besonders bildgebenden Verfahren wie MRT oder Röntgen eine große Bedeutung zu. Damit lassen sich beide Krankheitsbilder genau identifizieren.

Häufig ist nicht nur die Gelenkfläche hinter der Kniescheibe betroffen, sondern der gesamte Gelenkabschnitt. Wenn die Trochlea femoris ebenfalls geschädigt ist, also das Gelenk zwischen Oberschenkel und Kniescheibe, spricht man von einer „patellofemoralen Arthrose“ (PFG-Arthrose). Etwa jeder dritte über 60-Jährige leidet darunter. Bei den über 40-Jährigen sind es neun Prozent.

Die Ursachen der Retropatellararthrose

Die Ursache einer Retropatellararthrose ist vor allem Überlastung. Deshalb leiden insbesondere Personen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit vermehrt knien oder regelmäßig schwere Lasten tragen, unter einer Retropatellararthrose. Dabei wirkt ein hoher Druck auf Kniescheibe und Oberschenkelknochen, der dazu führt, dass sich der Knorpel schneller abnutzt.

Auch angeborene Fehlstellungen der Kniescheibe können eine Arthrose auslösen. Bei der Ursachenbetrachtung des Krankheitsbildes gilt generell: Der Entstehung einer Retropatellararthrose geht immer eine Verletzung des Knies voraus. Das können Gelenkverschleiß, langfristig einseitige Belastungen oder unfallbedingte Schäden sein.

Was kann ich selbst tun?

Arthrose gilt als unheilbar. Sie können allerdings gezielt die Schmerzen lindern und ihren Alltag mit einfachen Tricks angenehmer gestalten.

SOS-Tipps für akute Schmerzlinderung

  • Salben: Mittel mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) gelten als empfehlenswert.
  • Schmerzmittel: Wenn Sie Medikamente mit NSAR nehmen, sollten Sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen beachten.
  • Kälte: Cool-Packs lindern Entzündungen und Schwellungen, sollten aber nie direkt auf die Haut gelegt werden.
  • Wärme: Wärmepflaster oder Heizkissen sind nur zu empfehlen, wenn keine Schwellung vorliegt und nur die Muskeln behandelt werden.
  • Leichte Bewegung: Achten Sie auf eine vorsichtige Belastung!

Tipps für ein Leben mit Arthrose

  • Gewichtsreduzierung: Lasten weniger Kilos auf den Knien, werden die Gelenke geschont.
  • Alkohol und Nikotin: Verzichten Sie auf diese Genussmittel, denn sie fördern Entzündungen und schädigen den Knorpel.
  • Ernährung: Rotes Fleisch und Zucker gelten als Entzündungstreiber. Meerfisch oder Pflanzenöle haben dagegen einen entzündungshemmenden Effekt. Den Knorpel schützen Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.
  • Haushalt: Beseitigen Sie Stolperfallen und benutzen Sie Schuhlöffel, wenn das Bücken schmerzt.
  • Sport: Schwimmen, Wandern und Nordic Walking schonen das Knie. Joggen und Tennis belasten das Knie zu sehr.
  • Schmerztagebuch: So lernen Sie Ihre individuellen Beschwerden besser kennen, um Ihren Alltag entsprechend einzurichten.

Kräftigungsübungen für zu Hause

Besonders wenn Ihre Retropatellararthrose aufgrund einer instabilen Kniescheibe entstanden ist, sollten Sie die Muskulatur trainieren, um mehr Stabilität zu erreichen. Aber auch bei anderen Ursachen ist es wichtig, dass Sie in Bewegung bleiben, damit sich der Muskel nicht verkleinert.

Übungen für eine bessere Koordination und eine Kräftigung der Muskeln sind am besten, um das Knie zu stärken. Welche Übungen im Einzelfall Sinn machen, klärt der Physiotherapeut mit Ihnen. Er stimmt den individuellen Trainingsplan mit Ihnen ab.

Hier Beispiele für Übungen bei Retropatellararthrose:

  • Legen Sie sich auf den Rücken und strecken Sie ein Bein soweit es geht nach oben. Die Zehen schauen zur Decke. Dann bringen Sie das gestreckte Bein nach unten. Bevor Sie den Boden erreichen, bringen Sie es wieder nach oben. Nach zwei Runden wechseln Sie das Bein.
  • Drehen Sie das rechte Bein nach rechts und bringen Sie es nun nach oben. Die Fußspitze zeigt nach rechts. Gehen Sie nach unten, aber legen Sie das Bein nicht ab, sondern bringen Sie es gleich wieder nach oben. Dann wechseln Sie das Bein.
  • Dieselbe Übung können Sie auch machen, indem Sie das rechte Bein nach links drehen.

Die Übungen werden meist je 15- bis 20-mal und für drei bis fünf Serien gemacht.

Welche Therapieformen kommen bei einer Retropatellararthrose zum Einsatz?

Je nach Ursache und Ausprägung kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz, um Betroffene von ihren Beschwerden zu befreien. Besonders wichtig sind konservative Verfahren, denn eine Kräftigung der Muskulatur stärkt die Belastbarkeit des Knies.

Medikamente

Bei akuten Schmerzen hilft eine Behandlung der Symptome, zum Beispiel mithilfe von schmerz- und entzündungshemmenden Arzneimitteln. Sogenannte Chondroprotektiva gelten als Knorpelschutzmittel. Die Medikation sollte aber mindesten drei bis neun Monate dauern. Es gibt zwar wenige Studien zur Wirksamkeit der Mittel, aber sie gelten als risikoarm

Physiotherapie

Physiotherapie am Patienten im MVZ Dr. Schneiderhan & Kollegen

Physiotherapie am Patienten

Da Medikamente nicht an der eigentlichen Ursache der Erkrankung ansetzen, kann allein damit keine dauerhafte Schmerzfreiheit eintreten. Um das zu erreichen, stehen deshalb weiterhin Methoden der konservativen Behandlung wie Physiotherapie zur Verfügung.

Bewegung im Rahmen von gezielter Krankengymnastik spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung. Dabei wird der Oberschenkelmuskel nachhaltig gestärkt, sodass Kniescheibe und Oberschenkelknochen nicht mehr dauerhaft aneinander reiben.

Zu den klassischen Verfahren der Physiotherapie gehören:

  • Massagen: Bestimmte Griffe lockern die verspannten Muskeln am Retropatellargelenk, was eine bessere Durchblutung zur Folge hat.
  • Manuelle Lymphdrainage: Sie fördert die Wundheilung, lindert die Entzündung und trägt zur Abschwellung des Gelenkes bei.
  • Bandagen und Taping: Bandagen werden immer nur in Kombination mit Krankengymnastik verschrieben, damit das Knie langfristig ohne äußeren Stabilisator auskommt. Zwar ist die Wirkung des Kinesiotapings nicht wissenschaftlich bewiesen, aber Patienten berichten von mehr Stabilität.
  • Physikalische Therapie: Wärme, Kälte oder Elektrotherapie können zusätzlich eingesetzt werden.
  • Krankengymnastik

Orthesen können bei Beinfehlstellungen zum Einsatz kommen.

Spritzen

Leiden Patienten unter stärkeren Beschwerden, spritzen Experten in einigen Fällen auch Kortison direkt in das Kniegelenk, um die Retropatellararthrose zu lindern. Injektionen sind sehr beliebt, wenn eine schnelle Wirkung erzielt werden soll.

Eine Alternative ist Hyaluronsäure. Sie wird in das betroffene Knie gespritzt, um den fortschreitenden Abbau von Knorpel zu verlangsamen. Weil es allerdings zu wenige Studien gibt, um die Wirkung zu belegen, steht diese Methode immer wieder in der Kritik. Sie ist der Wissenschaft zufolge am ehesten bei jüngeren Patienten zu empfehlen. Auch für die Eigenbluttherapie mit plättchenreichem Plasma (PRP) gibt es wenige Studien, die die Wirksamkeit belegen.

Akupunktur

Akupunktur kann helfen, die Schmerzen zu lindern – das zeigen auch Studien. Sie wird vor allem bei chronischen Beschwerden eingesetzt. Die Krankenkasse kommt für die Behandlung auf. Hier erfahren Sie mehr.

Operation

Ärzteteam in der Absprache mit Patienten

Sorgen konservative Methoden nach mindestens drei Monaten immer noch nicht für ausreichenden Erfolg oder liegt bereits eine sehr starke Abnutzung des Knorpelgewebes im Knie vor, hilft Patienten ein operativer Eingriff. Dabei führen Experten zunächst eine Gelenkspiegelung, auch Arthroskopie genannt, durch, um sich ein Bild von der Erkrankung zu machen. Währenddessen lassen sich auch bereits beschädigte Bereiche ausräumen. Zudem besteht die Möglichkeit, das beschädigte Knie durch ein künstliches Kniegelenk beziehungsweise eine Kniescheibe zu ersetzen.

Diese Vorgehensweise wird vor allem bei älteren Patienten gewählt. Bei ihnen ist häufig der Knorpelschaden des gesamten Gelenks so weit fortgeschritten, dass eine spezielle Behandlung der Retropatellararthrose keinen Sinn macht. Bei ihnen muss das gesamte Kniegelenk behandelt werden. Die Kniegelenksprothese ist die letzte Behandlungsmöglichkeit.

Ist eine Totalprothese eingesetzt worden, erhalten die Betroffenen womöglich einen Behindertenausweis. Eine Behinderung liegt in der Regel vor, wenn beide Knie mit einer Vollprothese versorgt wurden oder ein Knie nur mit Einschränkungen bewegt werden kann.

 

Sie können auch gerne zu uns kommen, wenn Sie eine Zweitmeinung bei Dr. Schneiderhan in München einholen möchten. Termine können Sie nicht nur telefonisch, sondern auch online buchen. Mehr über Knieschmerzen erfahren Sie hier.

Warum zu Dr. Schneiderhan?

  • Orthopäde seit 1993
  • Schwerpunkte: interventionelle Schmerztherapie und minimalinvasive Wirbelsäuleneingriffe
  • Bevorzugung konservativer Verfahren
  • Präsident der deutschen Wirbelsäulenliga e. V.
  • Autor dreier Patientenratgeber und Referent auf FachkongressenWir freuen uns auf Sie!